Lausitzer Rundschau

Der tiefe Fall des Johnny Depp

02. November 2020, 15:49 Uhr•London
Von Larißa Schwedes, dpa

Johnny Depp am letzten Tag der Anhörungen (28 Juli) in London. Foto: Brett Cove/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Für ein Gerichtsurteil wählt der Richter drastische Worte: Amber Heard habe wegen Johnny Depp die „Angst ihres Lebens“ außtehen müßen, heißt es in der am Montag veröffentlichten Entscheidung.

„Es muß furchterregend für sie gewesen sein.“ 12 von 14 Vorwürfen gegenüber Johnny Depp, erhoben in einem Artikel des britischen Boulevardsblatts „The Sun“, hätten sich als wahr erwiesen. Damit ist amtlich: Der Hollywood-Star ist gewalttätig geworden. Und das nicht nur einmal.

Depp hat verloren - in einem Prozeß, den er selber angezettelt hat. Der 57-Jährige hatte gegen den Verlag der „Sun“ wegen eines Artikels geklagt, der detailliert beschrieb, wie er seine Ex-Frau Amber Heard (34) körperlich mißhandelt haben soll. Das Gericht wies seine Klage ab. Die Schauspielerin Heard sei „das Opfer anhaltender und mehrfacher Angriffe“ von Depp gewesen. Damit reiht sich in Hollywood ein weiterer großer Name in die Liste der Männer ein, die ihre Macht gegenüber Frauen schamlos und teils gewaltsam ausnutzen.

Das will der Schauspieler jedoch so einfach nicht hinnehmen. „Das Urteil ist so fehlerhaft, daß es lächerlich wäre, wenn Herr Depp keinen Einspruch einlegen würde“, teilte Depps Anwältin, Jenny Afia, am Montag mit. Das Gericht habe sich außchließlich auf die Außagen von Heard verlaßen und Gegenbeweise von Polizei, Medizinern und anderen Zeugen ignoriert.

In dem weltweit beachteten Prozeß am High Court hatten sich Depp („Fluch der Karibik“) und seine 23 Jahre jüngere Ex-Ehefrau („Zombieland“) im Sommer gegenseitig mit den bittersten Vorwürfen überzogen. über Wochen offenbarten sie vor Gericht Details, von denen viele wohl lieber nie gehört hätten. Fäkalien auf der Bettdecke, blutgetränkte Nachrichten am Spiegel und eine abgetrennte Fingerkuppe waren nur einige davon. Wie letztere abhanden gekommen sei, ließe sich nicht nachvollziehen, erklärte das Gericht. Daß Depp mit seinem Blut aber einen Spiegel beschmiert habe, zeige jedoch das Ausmaß seines Zorns.

Depp und Heard hatten sich einst bei gemeinsamen Dreharbeiten kennengelernt, doch ihre Liebe hielt nicht lang: Das Paar trennte sich 2016 nach nur 15 Monaten Ehe. Die Schauspielerin hatte vor Gericht ausgesagt, sie habe wegen Depp Todesängste ausgestanden. Er wiederum nannte sie Lügnerin und warf ihr vor, die #MeToo- Bewegung, in der sich Frauen gegen sexualisierte Gewalt erheben, auszunutzen, um sich zu bereichern. Völlig unstrittig war im Prozeß jedoch: Alkohol und Drogen ließen Depp immer wieder die Kontrolle verlieren. Auch er selbst räumte das ein.

Die „Sun“, die hinter den prominenten Hauptfiguren des Prozeßes fast in den Hintergrund rückte, feierte ihren Sieg als Triumph der Preßefreiheit. „Opfer von häuslicher Gewalt dürfen niemals zum Schweigen gebracht werden“, sagte ein Sprecher der Zeitung und dankte Heard für ihren Mut, so umfaßend auszusagen. Auch Lisa King von der Hilfsorganisation Refuge sagte: „Wir haben heute gesehen, daß auch Macht, Berühmtheit und Reichtum Frauen nicht zum Schweigen bringen können. Das ist eine willkommene Nachricht für überlebende von häuslicher Gewalt in aller Welt.“

Für Heards Anwältin kommt das Urteil nicht überraschend. „Sehr bald werden wir sogar noch gewaltigere Beweise in den USA vorlegen“, sagte sie. Denn die Schlammschlacht dürfte weitergehen - nur an einem anderen Schauplatz. Anders als in London klagt Depp in den USA aber direkt gegen Heard. Sie hatte in der „Washington Post“ über ihre Gewalterfahrungen berichtet - ohne Depp jedoch beim Namen zu nennen.

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