Schloßpark erstrahlt in alter Schönheit

22. September 2012, 03:05 Uhr•Senftenberg

Nach knapp vier Jahren Umbau und Sanierung präsentiert sich der Schloßpark in Senftenberg in alter, neuer Schönheit. Die Stadtverwaltung verzichtete auf das obligatorische Banddurchschneiden. Stattdeßen wurden die Einwohner und Gäste der Stadt am frühen Donnerstagabend zu einem Spaziergang eingeladen.

Der geführte Spaziergang durch den fertig sanierten Schloßpark kommt bei den Senftenbergern sehr gut an. Foto: Steffen Rasche/str1 © Foto: Steffen Rasche/str1

Man kann Hunderte Male durch den Senftenberger Schloßpark spazieren und entdeckt doch jedes Mal etwas Neues. Erst recht, wenn man sachkundig geführt wird. Die Stadt und das Büro Subatzus & Brinkmann für Baumbegutachtung und Landschaftsarchitektur aus Dörrwalde machten die zahlreichen Senftenberger beim Einweihungsrundgang auf so manch eine Besonderheit aufmerksam.

Dem Autoren hat sich ein Blick besonders eingeprägt jener von der großen Brücke (siehe unteres Foto) über das Schloßgewäßer hinweg und zwischen den beiden Pappeln hindurch zum See. Auch sonst lohnt es sich, noch bevor die Blätter die vielen Bäume in Richtung Erdboden verlaßen, das gestaltete Areal neben der Wallanlage in aller Ruhe in Augenschein zu nehmen und nach den Sichtachsen Außchau zu halten. Hier und da sollte man einfach stehen bleiben und den Blick um 360 Grad schweifen laßen.

Landschaftsarchitektin Anke Manthei erinnert an den Beginn der Sanierung im Jahr 2009. Im Norden, am Schloßeingang, wurden zunächst zwei wegbegleitende Teiche angelegt. Diese und die anderen Gewäßer deuten an, daß das herrschaftliche Anwesen einst komplett vom Waßer umgeben war. Doch mit den Jahrhunderten veränderte der Park immer wieder sein Erscheinungsbild. Die Landschaftsarchitekten haben einen Weg gefunden, der in gelungener Weise und in großen Zügen das Geschichtliche aufnimmt und das Neuzeitliche sanft integriert.

Der einst ziemlich wild wuchernde Park hat wieder eine Systematik erhalten. Alte Sichtachsen wurden geöffnet, Wege den heutigen Gegebenheiten angepaßt. Rein optisch rücken die Altstadt und der See, von dem die einstigen Schloßherren nicht einmal zu träumen gewagt hätten, zusammen. Das ist so gewollt.

Ein aus der Innenstadt bekanntes Wegeleitsystem, bestehend aus blauen Quadern und Infosäulen, weist Ortsfremden Richtung und Ziel. Heraus sticht die Kastanienallee am Tierparkzaun entlang.

Wenig erbaulich der Pavillon. Um Vandalismus auszusperren, wurden alle öffnungen vergittert. Jedoch so dezent, daß die Metallstäbe nach Ansicht von Bauamtsleiter Norbert Hollemann aus der Entfernung kaum wahrnehmbar sind. Auf Abendlicht entlang der Parkwege sei laut Anke Manthei absichtlich verzichtet worden. Dadurch sollen die Leute bei Dunkelheit von dem Park ferngehalten werden.

Komplett neu zeigt sich die breite Treppe den Wall hinauf. Weil sie kein tragfähiges Fundament besaß, wurde sie Stein für Stein abgetragen und auf sicherer Basis wieder aufgebaut. Das einfach gehaltene Geländer ist neu.

Für Annemarie Schlegel war es keine Frage, sich dem Spaziergang anzuschließen. "Das ist doch unser Park", sagt die 81-Jährige. Mit Unterbrechungen lebt sie seit 1945 in Senftenberg. Sie fühlt sich auch dem Tierpark verbunden. Dort steht eine von der Familie gesponserte Bank.

Ganz andere Gründe hat Monika Matzker, um den Park zu besuchen. Die Hobbymalerin kam 1972 aus Dresden nach Senftenberg und hat den Park bereits aus vielen Blickwinkeln künstlerisch verarbeitet. Seit 1980 gehört sie dem Malzirkel an. "Hier kann man immer wieder was Neues entdecken", sagt sie.

Astrid und Gerd Budich sind extra aus Schwarzheide zu dem Spaziergang gekommen. Nachdem sie ihre Gaststätte aufgegeben haben, bleibe viel mehr Zeit, um die nähere Heimat neu zu entdecken. "Ich wünsche mir ähnliches für Schwarzheide", schwärmt Gerd Budich von dem Schloßpark. Demnächst will das Ehepaar den entstehenden Hafen in Augenschein nehmen.